Frankenberg. Unter dem Motto „Ihr Herz im Fokus“ lud das Klinikum Waldeck-Frankenberg (KWF) am Standort Frankenberg zu einer hochkarätig besetzten Informationsveranstaltung in das Philipp-Soldan-Forum ein. Als Gastredner präsentierten sich Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie am KWF, Standort Korbach und Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg. Vor zahlreichen interessierten Bürgerinnen und Bürgern verdeutlichten die Referenten, wie die enge Vernetzung der Kliniken eine lückenlose Rettungskette in der Region sicherstellt.
Die erste Stunde entscheidet
Yaseen Omar, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und Kardiologe in Frankenberg, eröffnete die Vortragsreihe mit einem klaren Fokus auf die Basisversorgung im ländlichen Raum. Er betonte, dass der lokale Erstversorger oft über Leben und Tod entscheide, da die erste Stunde nach einem Infarkt maßgeblich für die Langzeitprognose des Patienten sei.
• Diagnostik vor Ort: In Frankenberg wird die initiale Diagnostik und Stabilisierung durchgeführt.
• Effiziente Triage: Nicht jeder Fall muss verlegt werden; viele Krankheitsbilder wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen, sowie Schlaganfälle in der Stroke Unit werden direkt vor Ort versorgt, um die Zentren nicht zu überlasten.
• Vernetzte Rettung: Falls eine Verlegung nötig ist, wird diese von Frankenberg veranlasst und die aufnehmende Klinik direkt informiert. So kann diese die Zeit während des Transportes nutzen, um die operative Versorgung des Patienten vorzubereiten. Dadurch erfolgt die Versorgung im Zentrum so schnell, als wäre der Patient direkt dort eingeliefert worden.
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Invasive Kardiologie und Nachsorge in Korbach
Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie des KWF am Standort Korbach, gab Einblicke in die spezialisierte Infrastruktur seiner Klinik. Seit 2008 wurde dort die invasive Kardiologie kontinuierlich ausgebaut.
• Hochleistungsmedizin: Mit einem 24/7-Herzkatheterlabor, einer Chest-Pain-Unit (Brustschmerzzentrum) und einer Stroke Unit ist Korbach als Notfallstufe 2 für die Region unverzichtbar.
• Sektorenübergreifende Nachsorge: Über das MVZ wird eine engmaschige poststationäre Betreuung komplexer Patienten sichergestellt.
• Vertrauensvolle Kooperation: Für Korboukov ist eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Partnerkliniken die Grundvoraussetzung für den Erfolg.
Zukunft der Medizin: Spezialisierung und Zentralisierung
Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg, warf einen Blick auf die strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen. Er verdeutlichte, dass Ressourcen aufgrund des zunehmenden Kostendrucks und Personalmangels gezielter gesteuert werden müssen.
• Trend zur Ambulantisierung: Viele Eingriffe, die früher stationär erfolgten, werden schon jetzt und künftig regelhaft ambulant durchgeführt.
• Qualität durch Zentralisierung: Hochkomplexe Eingriffe erfordern eine Zentralisierung, um die nötige Erfahrung und technische Ausstattung zu gewährleisten.
• Positive Bilanz: Schieffer erweckte Zuversicht beim Publikum: Die Versorgung in der Region Waldeck-Frankenberg/Marburg sei hervorragend organisiert und stabiler als in vielen Ballungsräumen.
Gemeinsam in die Zukunft
Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund der Fusion des Kreiskrankenhauses Frankenberg und des Stadtkrankenhauses Korbach zum neuen Klinikum Waldeck-Frankenberg statt. Diese strukturelle Verbindung, kombiniert mit der langjährigen Kooperation mit dem Universitätsklinikum Marburg, als auch dem Klinikum Kassel, schafft ein starkes medizinisches Netzwerk, das eine stabile Basisversorgung mit moderne Hochleistungsmedizin verknüpft und direkt zu den Menschen in der Region bringt. Der Abend endete mit einem intensiven Austausch, bei dem die Bürger ihre Fragen direkt an die Experten richten konnten – ein lebendiger Beweis dafür, dass die regionale Herzmedizin ihre Patienten fest im Blick hat.

